Nörgeln in der Psychologie

Zugegeben, unser Beitragsbild erscheint etwas überspitzt: Die nörgelnde Ehefrau „hackt“ auf ihrem Ehemann herum. Doch gibt es leider Partnerschaften und Beziehungen, in welchen das permanente Nörgeln sehr präsent ist. In unserem Beitrag möchten wir dieses Thema erörtern.

Jeder Mensch hat hin und wieder einen schlechten Tag. Dann passiert es durchaus auch, dass man sich aufregt, seinem Ärger Luft macht und jemandem sein Leid klagt. Manchmal läuft es bei der Arbeit nicht so wie gewollt, manchmal hat man Stress mit jemandem, manchmal hat einem auch einfach jemand die Vorfahrt genommen. Dass nicht immer alles glatt im Leben läuft, ist vollkommen normal. Sich darüber zu ärgern gehört zu den tolerierbaren menschlichen Verhaltensmustern. Anders sieht es jedoch beim Nörgeln aus – daher ist eine Abgrenzung dieses schlimmen Lasters von gewöhnlichem Ärgern wichtig.

Nörgeln ist nicht einfach nur Aufregung über einen schlechten Tag oder ein schlechtes Erlebnis, sondern sehr viel mehr: Nörgeln ist die ständige Unzufriedenheit, das dauernde Mürrisch- oder Griesgrämigsein, das Äußern von Kritik über jeden und alles – kleinlich, penetrant und seltenst konstruktiv. Im Grunde genommen kennt jeder Mensch eine nörgelnde Person – oder ist es vielleicht selbst. Das Problem am dauernden Nörgeln ist, dass es schlechte Stimmung verbreitet und sowohl dem Nörgler selbst als auch seiner Umgebung das Leben schwer macht (Tipp: So gehen Sie mit einem Nörgler um.).

Warum das dauernde Nörgeln ein Problem ist, liegt auf der Hand: Es ist eine Sache, sich mal über den lauten Nachbarshund oder den Chef zu ärgern, es ist aber eine ganz andere Sache ständig über etwas zu nörgeln. Während es durchaus hilfreich sein kann, seinem Ärger mal Luft zu machen, weil man sich danach deutlich besser fühlt, fühlt man sich bei dauerndem Genörgel niemand besser, niemals.

Die eigene Denkweise, das sogenannte Mindset oder auch Mentalität, ist entscheidend für den Erfolg eines Menschen und zwar sowohl auf der beruflichen als auch auf der privaten Ebene. Das soll nicht heißen, dass ein Nörgler stets erfolglos ist – ganz im Gegenteil. Manche Nörgler haben durchaus große private oder berufliche Erfolge vorzuweisen, jedoch stimmt es sie nicht zufrieden. Dauerndes Nörgeln ist stets ein Hinweis darauf, dass ein Mensch mit sich selbst nicht im Reinen ist. Manchmal liegt es am fehlenden Selbstvertrauen, manchmal ist es eine dauerhafte innere Unzufriedenheit mit einem wichtigen Aspekt seines Lebens, manchmal ist es aber auch einfach ein unausgeglichenes Leben, das einen Menschen zum Nörgeln treibt.

Am schlimmsten trifft das Nörgeln meistens den eigenen Partner oder die eigene Familie. Einen Menschen zu lieben und gleichzeitig ständige Kritik an allem und jedem – unter anderem an sich selbst – zu ertragen, ist alles andere als leicht. Im schlimmsten Fall droht man selbst zu einem Nörgler zu werden, wenn man stets von nie zufriedenen Menschen umgeben ist. Das führt oft dazu, dass sich geliebte Menschen von einem Nörgler abwenden. Das können Partner, Freunde oder auch Arbeitskollegen sein. Das sind schwerwiegende Folgen für den Nörgler, die ihn nur noch verbitterter zurücklassen und die Nörgelei fördern.

Sollten Sie selbst zum Nörgeln neigen, ist es sehr wichtig, dass Sie an der eigenen Mentalität arbeiten. Sie sollten sich darüber im Klaren sein, dass das Nörgeln niemandem etwas bringt. Das soll nicht heißen, dass Sie nicht kritisch sein dürfen, aber Sie müssen Ihre Kritik konstruktiv halten und kleinliche Nörgelei komplett sein lassen. Das ist ein langwieriger Prozess, der viel Kraft und viel Auseinandersetzen mit sich selbst erfordert, aber es lohnt sich sowohl für Sie als auch für Ihre Liebsten.

Zur Bedeutung des Wortes Nörgeln.